Praktikumsbericht Florian Trompell

Inhaltsverzeichnis:

  1. Einleitung: Begründung der Wahl der Praktikumsstelle
  2. Vorstellung der Praktikumsstelle: 1 Träger und Organisation 2 Aufgaben der Institution 3 Gesetzliche Grundlagen 4 Finanzierung
  3. Zielgruppe
  4. Aufgaben der Sozialen Arbeit
  5. Evaluationsformen und -ergebnisse der Praxisstelle
  6. Meine Aufgaben in der Praxisstelle
  7. Reflexion und Konsequenzen für mein weiteres Studium
  8. Literaturangaben

1 Einleitung: Begründung der Wahl der Praktikumsstelle

Die zwei praktischen Studiensemester welche während des Studiums der Sozialen Arbeit an der Katholischen Fachhochschule Freiburg absolviert werden müssen, verstehe ich als Chance, verschiedene Fachbereiche auszuprobieren, dadurch neue Erfahrungen zu sammeln und somit noch mehr von der Vielseitigkeit meines zukünftigen Berufsfeldes kennen zu lernen. Da beide Praktika auf ein halbes Jahr begrenzt sind, wollte ich beide Praxissemester dazu nutzen, einen Bezug zu interessanten, mir aber noch wenig bekannten Arbeitsbereichen der Sozialen Arbeit zu erschließen.

Deshalb habe ich mein erstes praktisches Studiensemester in der für mich spannenden Wohnungslosenarbeit geleistet.

Bei der Wahl der zweiten Praxisstelle spielte das Interesse daran, was hinter dem Begriff der Erlebnispädagogik tatsächlich steckt, eine große Rolle. Leider hatte ich es bisher nicht geschafft einen Kurs an der Katholischen Fachhochschule im Bereich der Erlebnispädagogik zu besuchen, weshalb ich mich entschied, diesen interessanten Fachbereich im Praktikum kennen zu lernen.

Bei dieser Entscheidung spielte der Kontrast zu meinem ersten Praxissemester eine wesentliche Rolle. Die Arbeit im Ferdinand-Weiß-Haus, einer Anlaufstelle und Beratungsstätte für Menschen in Wohnungsnot, ist schon in den äußeren Umständen durch verrauchte Luft, viel Büroarbeit, Klientengespräche und nicht zuletzt durch das Klientel sehr von der Erlebnispädagogik von OUTSIDE e.V. zu unterscheiden. Diese arbeitet nämlich Schwerpunktmäßig mit Kindern im Alter von 8-16 Jahren in Form von Schulklassen oder Freizeitgruppen in der Natur. Auch die Arbeitsmethodik unterscheidet sich stark, da in der Erlebnispädagogik viel durch Erlebnisse und deren Auswertung und Reflektion gearbeitet wird und diese Form sich von Beratungsgesprächen im Büro stark unterscheiden. Nicht zuletzt ist auch der riesige Träger Diakonieverein e.V.  und dessen Strukturen im Vergleich zum viel kleineren  Träger OUTSIDE e.V. sehr verschieden.

Da ich sehr viel Spaß an Outdooraktivitäten wie beispielsweise Wandern, Kanu fahren oder Klettern habe und ein naturverbundener Mensch bin, war eine wesentliche Vorraussetzung für die Erlebnispädagogik gegeben.

Äußere Umstände, wie beispielsweise der Sitz von OUTSIDE e.V. in Freiburg, haben meine Wahl für diese Praktikumsstelle zusätzlich beeinflusst.

2 Vorstellung der Praktikumsstelle

OUTSIDE e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der als Dienstleister im Bereich der Erlebnispädagogik und dem Bergsport arbeitet. Dazu kommen noch Elemente der Naturpädagogik und der Freizeitpädagogik.

Der Verein hat seinen Sitz in Freiburg. Er führt seine Veranstaltungen jedoch  größtenteils im Umland, also vor allem im Schwarzwald, durch. Gelegentlich werden auch längere Veranstaltungen in weiter weg gelegenen Gebieten wie Beispielsweise in Südtirol oder auf Korsika durchgeführt.

Ein Großteil der erlebnispädagogischen Aktionen wird in Zusammenarbeit mit Jugendherbergen erbracht. Zusätzlich bietet OUTSIDE e.V. jedoch in Absprache mit den jeweiligen Gruppen Landschulheime und Kurse in Selbstversorgerhäusern oder auf Zeltplätzen  an.

Durch Absprachen mit den jeweiligen Gruppen, wird ein auf sie zupassendes Gesamtprogramm erstellt.

Träger und Organisation

OUTSIDE e.V. besteht als gemeinnütziger Verein seit dem Mai 2004. Damit hat der Verein nun seine dritte Sommerphase hinter sich und befindet sich auch weiterhin noch in der Aufbauphase. Bisher stellt die Frühjahr und Sommerphase die Hauptsaison des Vereins dar. Ein Winterprogrammangebot soll in Zukunft aufgebaut werden und den Verein dann auch ganzjährig mit Aufträgen versorgen.

Im ersten Jahr war Dirk Nüßer, der als Selbständiger für den Verein arbeitet allein beschäftigt, um Kurse durchzuführen und die anfallenden Verwaltungs- und Werbungstätigkeiten durchzuführen. Er ist Dipl. Sozialpädagoge (FH), hat verschiedene Weiterbildungen im erlebnispädagogischen Bereich absolviert und durch mehrjährige Tätigkeit bei einem großen Erlebnispädagogikanbieter viele Erfahrungen gesammelt. Er macht die Hauptorganisation, Koordination, Öffentlichkeitsarbeit, Buchführung  und alle sonstigen mit der Leitung des Vereins verbundenen Tätigkeiten. Natürlich führt er selbst auch erlebnispädagogische Aktionen durch und übernahm  zusätzlich auch noch meine Praxisanleitung.

2005 hatte sich die Zahl der Aufträge soweit gesteigert, dass neben Dirk Nüßer 16 weitere Outdoortrainer auf Honorarbasis für den Verein arbeiteten. Im Sommer 2006 ist die Anzahl der häufig bis gelegentlich für OUTSIDE e.V. arbeitenden Honorarkräfte inklusive von 2 Praktikanten auf 27 Personen angewachsen.

Dabei handelt es sich um einzelne Veranstaltungen in unregelmäßigen Abständen, für welche die Trainer mit einem festen Tagessatz bezahlt werden.

Alle, die für den Verein tätig sind, haben eine erlebnispädagogische Ausbildung und werden zusätzlich in die Sicherheitsstandards von OUTSIDE e.V. eingelernt. Dieses Sicherheitskonzept richtet sich nach dem DAV (Deutscher Alpenverein), nach der ERCA (European Ropes Course Association) und der GUV (Gemeine Unfallversicherung).

Wie im Vereinsrecht festgelegt wurde OUTSIDE e.V. mit sieben Personen gegründet und verfügt über eine Vereinssatzung.

Das Zustandekommen der Veranstaltungen kann auf zwei Wegen geschehen. Entweder die Gruppe schließt einen Vertrag direkt mit dem Verein ab, was telefonisch, meist aber schriftlich abläuft, oder der Auftrag erfolgt über einen Kooperationspartner, was in den meisten Fällen Jugendherbergen sind. Hierbei sind die Veranstaltungen Teil eines bei der Jugendherberge gebuchten Aufenthalts. Die Programmgestaltung wird trotzdem mit der Gruppenleitung abgesprochen, so dass deren Wünsche berücksichtigt werden.

Aufgaben der Institution

Wie unter § 2 der Vereinssatzung beschrieben, ist „Zweck des Vereins die Förderung der Jugendhilfe, Förderung der Erziehung, Volks- und Berufsbildung und die Förderung der Sports mit Hilfe eines erlebnispädagogischen und natursportlichen Angebots.“ (Satzung des Vereins Outside, § 2, Seite 1)

Bei den erlebnispädagogischen Veranstaltungen ist ein wichtiges Ziel die Stärkung der teilnehmenden Gruppe. Gerade bei Schulklassen geht es um die Förderung der Klassengemeinschaft, die Einbindung von Außenseitern in  die Klasse, das Aufdecken von Konflikten, aber auch die individuelle Grenzerfahrungen der Schüler.

Ein weiteres wichtiges Ziel besteht darin, die sozialen Kompetenzen der Kinder zu erweitern und sie aufmerksam darauf zu machen, dass Zusammenarbeit wichtiger ist als der Beste zu sein.

Bei den Kindern werden durch positive Erfolgserlebnisse der Gruppe und durch den mit den Aktionen verbundenen Spaß die Lernziele mit positiven Erfahrungen verbunden und bleiben deshalb gut in Erinnerung.

Als Methode werden hierfür vor allem Interaktionsaufgaben angewandt, bei welchen die Schüler gemeinsam eine Aufgabe lösen müssen, die nur dann geschafft ist, wenn jeder  aus der Gruppe am Ziel ist. Ein Beispiel dafür ist das „Spinnenetz“. Hier wird zwischen zwei Bäumen mit Seilen ein Netz aufgebaut durch das die ganze Gruppe durchkommen muss, ohne die „Spinnenfäden“ zu berühren.  Dabei darf jedes Loch nur einmal benutzt werden. Die Gruppe muss also soweit planen, dass sie die Leichteren durch die oberen Löcher durchgibt, für den Schluss unten große Löcher für die Letzten frei lässt, usw. Es kommt also bei diesen Aufgaben zum einen darauf an zusammen etwas zu erreichen, sich gegenseitig zu helfen und Berührungsängste abzubauen und zum anderen sich abzusprechen und einen Lösungsplan aufzustellen.

Im Anschluss an die Aufgaben finden Reflexionsrunden statt, bei welchen mit den Schüler besprochen wird, wie sie die Aufgabe gelöst haben und wie sie beim nächsten Spiel besser vorgehen könnten. Ein wichtiges Element in diesem Bereich ist auch der Niedrigseilgarten, bei dem in Kniehöhe ein Seilparcour gespannt wird, über den die ganze Klasse balancieren muss. Dies ist nur zu schaffen, wenn sich die Teilnehmer gegenseitig an den Händen halten und somit stabilisieren.  Des Weiteren kann z.B. der Bau einer Seilbrücke durchgeführt werden. Auch dies kann nur gelingen wenn sich die einzelnen Expertenteams, die im Voraus von den Trainern eingelernt werden, miteinander absprechen.

Weitere Elemente sind Kletteraktionen wie Abseilen, Fels-, Baum- und Kistenklettern und Elemente aus dem Hochseilgarten. Hierbei können die Teilnehmer ihre eigenen Grenzen testen und diese erweitern. Gerade für Jugendliche, die Probleme mit ihrem Selbstbewusstsein haben, können diese Aktionen tief greifende Erfahrungen bringen. Sie lernen eine Angst zu überwinden und sind hinterher entsprechend mit sich selbst zufrieden und stolz. Außenseiter, vor allem in Schulklassen, erfahren Anerkennung, wenn sie zum Beispiel beim Kistenklettern besonders hoch kommen und von den anderen dabei angefeuert werden.

Da die Teilnehmer sich bei den Kletteraktionen gegenseitig sichern, spielt das Thema Vertrauen und Verantwortungsübernahme hier eine große Rolle.

Wichtig bei allen Elementen ist der Transfer in den Alltag. Dabei sind die Betreuungspersonen der Gruppe von großer Bedeutung, die das Ergebnis der Interaktionen und das Verhalten der einzelnen immer wieder im Alltag aufgreifen können. Es ist wohl nicht möglich innerhalb von wenigen Tagen den Umgang der Gruppenmitglieder miteinander bleibend zu verändern, wenn dies nicht weiter  im Alltag der Kinder gefördert wird. Jedoch werden positive Impulse durch unsere Arbeit gegeben, durch die Kinder beispielsweise erfahren, das es Spaß macht sich gegenseitig zu helfen und vieles durch gemeinsame Hilfe besser und einfacher zu schaffen geht als auf sich allein gestellt.

Ein weiterer sehr positiver Effekt, vor allem in der Arbeit mit Schulklassen, ist die Rolle der Lehrer in der Erlebnispädagogik. Sie sollen sich zurückhalten und erleben sich infolgedessen oft selbst als Beobachter und nicht wie sonst als Akteur. Durch diese Beobachtung erhalten sie die Chance ihre Klasse/Gruppe aus einer anderen Sichtweise zu sehen und Problematiken neu zu erkennen oder diese anders wahrzunehmen.

Gesetzliche Grundlagen

Der Verein arbeitet nach den Gesetzten des Vereinsrechts. Grundlegend ist also die Satzung des Vereins. In ihr ist zum einen die Selbstlosigkeit des Vereins festgelegt. Er verfolgt damit ausschließlich gemeinnützige Zwecke. Schwerpunkt dieser gemeinnützigen Zwecke sind die Förderung der Jugendhilfe, der Erziehung und der Volks- und Berufsbildung (Satzung der Vereins Outside, § 2, Seite 1) auf Basis des Sozialgesetzbuches VIII.

Außerdem bestehen allgemeinen Geschäftsbedingungen, in welchen vertragliche und versicherungstechnische Einzelheiten geregelt sind.

Die auf Honorarbasis arbeitenden Trainer sind über den Verein versichert, außer sie sind als selbständige Trainer tätig. In diesem Fall müssen sie sich selbst versichern.

Was die Haftung betrifft, liegt die allgemeine Aufsichtspflicht bei den Betreuungspersonen der Gruppe. Bei Schulklassen zum Beispiel sind dies die anwesenden Lehrer. Die fachsportliche Verantwortung liegt dagegen bei den durchführenden Trainern.

Finanzierung

Da es sich um einen gemeinnützigen Verein handelt, darf OUTSIDE e.V. keinen Gewinn machen. Dies bedeutet, dass die Umsätze, die durch die Veranstaltungen gewonnen werden, wieder investiert werden müssen.

Da sich der Verein, wie schon erwähnt noch in der Aufbauphase befindet und viele Anschaffungen tätigen muss, ist dies auf jeden Fall gewährleistet.

  • Um alle Aufwendungen auch wirklich finanzieren zu können, ist auch weiterhin der Zuwachs an Aufträgen wichtig. Wenn diese weiterhin so stetig zunehmen ist zu erhoffen, dass der Verein sich selbst stabil trägt und weitere notwendige Investitionen wie z.B. für eigene Büroräume möglich werden.
  • Im nächsten Jahr wird wahrscheinlich eine Preisanhebung für die Dienstleistungen von OUTSIDE e.V. notwendig, um auch weiterhin Kostendeckend arbeiten zu können. Dabei ist dem Verein wichtig, trotzdem möglichst günstige Angebote unterbreiten zu können, damit sich jede Gruppe unabhängig vom wirtschaftlichen Status eine Buchung leisten kann.

3 Zielgruppe

Als Zielgruppe lässt sich keine eindeutige Gruppe definieren. Da die Veranstaltungen ein offenes Angebot darstellen, können sie von unterschiedlichen Personen gebucht werden. Hierbei kann es sich um Kinder, Jugendliche, aber auch Erwachsene handeln. Auf der einen Seite gibt es Veranstaltungen, zu welchen sich Einzelpersonen anmelden können. Hierzu zählen bergsportliche Angebote wie Kletterkurse, Klettersteigbegehungen, Bergbesteigungen und Gletschertouren und erlebnispädagogische Ferienfreizeiten, die meist in Kooperation mit Jugendherbergen stattfinden.

Auf der anderen Seite können feste Gruppen Veranstaltungen buchen, wobei hier ein großer Teil der Kunden Schulklassen sind. Hierbei variieren sowohl die Schularten (Grund-, Haupt-, Real-, Förderschulen, Gymnasien), als auch die Klassenstufen.

Der Großteil der Gruppen mit denen ich gearbeitet habe waren Klassen mit Kindern im Alter zwischen 8 und 14 Jahren.

Veranstaltungen, bei welchen die Betreuung aufwendiger ist, werden mit kleineren Gruppen und mehr Betreuern durchgeführt.

Grundsätzlich bietet sich die Erlebnispädagogik für eine Vielzahl von Kinder-, Jugend- und Erwachsenengruppen an. Dabei können auch für Gruppen von behinderten-, erkrankten- oder Beispielsweise auch verhaltensauffälligen Menschen erlebnispädagogische Programme konzipiert werden.

4 Aufgaben der Sozialen Arbeit

Wie unter 1.1. beschrieben, wird meistens mit festen Gruppen gearbeitet. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen lässt sich häufig feststellen, dass ihre sozialen Kompetenzen nicht sehr weit ausgebildet sind. Ein Grund dafür ist wohl, dass die Kinder sowohl zu Hause als auch in der Schule vorwiegend zu Einzelkämpfer erzogen werden und schon früh in unsere Leistungsgesellschaft eingeführt werden. Dabei wird vergessen, dass die Basis unserer Gesellschaft das gemeinsame Leben ist und es nur dann funktioniert, wenn wir zusammenarbeiten.

Dies soll den Kindern mit den erlebnispädagogischen Veranstaltungen näher gebracht werden. Ihnen soll klar werden, dass sie in der gesamten Gruppe viel stärker sind als allein. Das gilt sowohl für Schulklassen als auch für Gruppen anderer Einrichtungen. Gerade bei Teamtrainings ist eine verbesserte Zusammenarbeit ein wichtiges Ziel.

Mit fortschreitender Individualisierung unserer Gesellschaft lernen Kinder auch nicht mehr, dass es in bestimmten Lebenslagen wichtig ist Verantwortung für andere zu übernehmen oder Vertrauen zu anderen aufzubauen. Auch dies ist ein Thema, das mit oben beschriebenen Aktionen in den Mittelpunkt gerückt wird. Dabei sollen die Kinder auch Erleben wie angenehm und positiv es sein kann anderen zu vertrauen oder auch andern Sicherheit zu bieten.

Vor allem bei Veranstaltungen, die über mehrere Tage gehen, können Konflikt die unterschwellig in einer Gruppe bestehen deutlich gemacht werden. Wichtig sind hierfür vor allem die Reflexionen der einzelnen Elemente bei welchen die Klasse und auch einzelne mit ihrem Verhalten konfrontiert werden können. Bestimmte Rollen wie der Klassenclown, Außenseiter, Anführer, usw. werden vor allem bei Interaktionsaufgaben deutlich und können anschließend angesprochen werden. Die Auswertungen laufen dabei so ab, dass die Rückmeldungen vor allem aus der Gruppe selbst kommen und die Trainer mit gezielten Fragen die Diskussionen lenken. So erarbeitet die Gruppe selbst Verbesserungsmöglichkeiten, was nachhaltiger wirkt.

Neben diesen Gruppenprozessen spielt auch Grenzerfahrung eine wichtige Rolle. Viele Kinder wachsen heute so auf, dass sie so gut wie nie aus ihrer Komfortzone ausbrechen müssen. Das bedeutet, dass sie nicht an ihre Grenzen kommen und sich nicht anstrengen müssen. Kommen sie dann in eine Situation, in der genau das verlangt wird, geben sie schnell auf und zeigen kein Durchhaltevermögen. Durch Kletteraktionen, Abseilen, Trekkingtouren, Nachtwanderungen mit Solo und Elemente aus dem Hochseilgarten erleben sie Momente in denen sie Angstgefühle überwinden müssen und schaffen es dabei ihre eigenen Grenzen zu erweitern. Anschließend erfahren sie auch, wie zufrieden stellend es ist, etwas geschafft zu haben, was man sich erst nicht zugetraut hat. Sie fühlen Stolz und können durch eigenes Gelingen ihr Selbstbewusstsein stärken.

Bei sämtlichen Aktionen wird außerdem deutlich, dass nicht immer der Vorlauteste die besten Ideen hat oder der Geschickteste ist. Vielmehr erleben die Gruppen das jeder Einzelne in der Gruppe benötigt und somit wichtig ist und das jeder Einzelne individuelle Fähigkeiten hat, die zur Lösung der Aufgabe notwendig sind.

5 Evaluationsformen und -ergebnisse der Praxisstelle

Da der Verein OUTSIDE e.V. noch im Aufbau ist, gibt es bisher noch keine durchgängige Evaluation der einzelnen Veranstaltungen. Jedoch werden die erlebnispädagogischen Aktionen meist durch Besprechungen mit den Teamkollegen nach den Veranstaltungen und durch Gespräche mit den Betreuungspersonen der Gruppen reflektiert. In diesen Gesprächen wird sich in der Regel über die Gruppendynamik, Problematiken der Gruppe und Einzelner und über die Lernerfolge und Stärken der Gruppen und der Individuen ausgetauscht.

Die meisten Betreuungspersonen sind dankbar für die Möglichkeit ihre Gruppe einmal aus der Beobachterposition heraus miterleben zu können und bekommen häufig weitere Erkenntnis über ihre Gruppe, die sie dann als Anknüpfungspunkte für ihre weitere Arbeit nutzen können.

Die erlebnispädagogischen Veranstaltungen dauern meist zwischen einem Tag und einer Woche lang. Oft können wir schon bei eintägigen, erst recht aber bei mehrtägigen Veranstaltungen Gruppenentwicklungsprozesse beobachten, deren Nachhaltigkeit jedoch für uns leider nicht evaluierbar ist.

Die Betreuungspersonen haben nach Ende des Kurses die Möglichkeit, die Aktionen in Vergessenheit geraten zu lassen, oder die Ergebnisse immer wieder im Alltag aufzugreifen und somit dazu beizutragen, dass sich das Verhalten der Gruppe tatsächlich langfristig verändert. Hierbei haben sie die schwierige Aufgabe den Bezug von erlebnispädagogischen Erlebnissen zum Alltag immer wieder herzustellen und eine Übertragung auf Alltagssituationen herzustellen. Dies können wir während der Aktion nur in eingeschränktem Maße gewährleisten, da wir eine Projektion der Lernerfolge auf die Alltagssituationen mit den Kindern zwar erarbeiten, diese aber vor allem auch im Alltag in den jeweiligen Situationen Nachgearbeitet werden müssen.

Somit lässt sich festhalten, dass die Kooperation mit den Betreuungspersonen während des Kurses eine große Bedeutung hat.

6 Meine Aufgaben in der Praxisstelle

Da die Hauptsaison bei OUTSIDE e.V. erst ab April bis ungefähr September läuft, war meine Anfangszeit des Praktikums vom Einlernen und von Vorbereitungen für die Hauptsaison geprägt.

Da wir als Trainer bei OUTSIDE e.V. die Verantwortung für unsere Fachsportlichen Aktionen und auch das sonstige Programm tragen, war eine tiefgehende Einarbeitung notwendig. Hierbei wurden mir in einem einwöchigen Kurs neben den technischen Aufbauten und der Durchführung von Kletteraktionen an den verschiedensten Kletterelementen (z.B. Kastenklettern, Baumklettern, Abseilen, Niedrigseilgarten, Leitersprung, etc.) vor allem auch Sicherheitsstandards und sicherheitstechnische Details vermittelt. Somit nahm ich auch an einem Outdoor-Erste Hilfe Kurs teil um in jeder Situation angemessene Hilfe bieten und adäquat Reagieren zu können. Dabei wurde mir schnell klar, dass auf die Sicherheit unserer Teilnehmer der höchste Wert gelegt wird.

Daneben wurden mir pädagogische Ansätze und Methoden, Hintergrundverständnis der Erlebnispädagogik und deren Abgrenzung zu anderen Fachbereichen vermittelt.

Zusätzlich wurde ich auch in Werbetätigkeiten und kleinere Bürotätigkeiten mit einbezogen. Beispielsweise war ich dabei integriert für künftige Veranstaltungen Gespräche mit Jugendherbergseltern zu führen und vor Ort geeignete Plätzen zur Durchführung  von erlebnispädagogischen Elemente ausfindig zu machen und diese zu Dokumentieren.

Ein weiteres Aufgabengebiet war für mich die Zuständigkeit und Wartung des Materials. Hierbei hatte ich mich um die Vollständigkeit und Unversehrtheit des Klettermaterials zu kümmern. Durch ein neu eingeführtes Bestands- und Entleihlistensystem wurde dies von mir kontrolliert und protokolliert.

Zusätzlich mussten Veranstaltungen vorbereitet werden. Dies Arbeit setzte sich zusammen aus konzeptioneller Arbeit, wie zum Beispiel die inhaltliche Erarbeitung einer Indianerfreizeit, deren Planung und Organisation und der Vorbereitung des benötigten Materials.

Ab April/Mai begannen dann meine ersten Veranstaltungen, bei welchen ich schon sehr bald die Anleitung von verschiedenen Elementen übernahm. Durch die gute Einführung konnte ich auch sehr bald Seilaktionen wie Klettern und Abseilen selbständig aufbauen und durchführen. Da die Veranstaltungen von zwei Trainern durchgeführt werden, hatte ich immer eine Ansprechperson im Falle von Unsicherheiten. Wichtig waren auch die Nachbesprechungen und Anregungen für kommende Veranstaltungen von unterschiedlichen Trainern.

Durch die unterschiedlichen Kurse und Zielgruppen lernte ich verschiedene Elemente kennen und hatte viele Möglichkeiten selbst die Anleitung zu übernehmen. Durch die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Trainern lernte ich außerdem verschiedene Arbeitsweisen kennen, wobei ich mehr und mehr in eine gleichberechtigte Position rutschte. Die gute Zusammenarbeit der Trainer spielt eine wichtige Rolle für den Kursverlauf und beinhaltet viel Lernpotential. Dabei war es sehr interessant für mich auch die unterschiedlichen Arbeitsmethoden der jeweiligen Trainer kennen zu lernen und mir meine Eigene dabei heraus zu kristallisieren.

Nach beginn der Einarbeitungsphase wurde ich schon sehr schnell vollwertig in die Aktionen mit eingeplant. Über die Saison verteilt habe ich an vielen erlebnispädagogischen Tagesaktionen an Jugendherbergen mitgearbeitet. Diese fanden meist mit Schulklassen statt. Jedoch habe ich auch an mehreren Gruppenfreizeiten und erlebnispädagogischen Landschulheimen nicht nur mehrtägig sondern auch ganze Wochen lang mitgearbeitet. Hierbei war ich unter anderem eine Woche lang im Hochschwarzwald bei Neuenburg, eine Woche lang in Südtirol und eine Woche lang in Neustadt. Im Vergleich zu den eintägigen Aktionen besteht bei den Einwöchigen die Möglichkeit, noch tief greifender, grundlegender und spezieller mit den verschiedenen Gruppen zu arbeiten. Hierbei ist ein hohes Maß an Flexibilität erforderlich um individuell auf die jeweiligen Gruppen eingehen zu können.

Bei meiner gesamten Arbeit hat mich die Dankbarkeit und Lernbereitschaft fast aller Gruppen überrascht, so dass ich durch viele Erfolgserlebnisse und positives Feedback sehr zufrieden mit unserer Arbeit bin.

7 Reflexion und Konsequenzen für mein weiteres Studium

Im Großen und Ganzen bin ich mit der Wahl meines zweiten Praxissemesters sehr zufrieden. Ich finde den lernpädagogischen Ansatz durch Erlebnisse und nicht durch Frontalunterricht oder nur durch Gespräche zu lernen sehr effektiv. Dabei finde ich es sehr positiv mit Gruppen in dem für sie oft ungewohnten Umfeld der Natur zu arbeiten, sehr sinnvoll. Durch den Wechsel aus ihrem äußeren Umfeld sind die Kinder in ihrem Gruppenverhalten in der Natur nicht so vorbestimmt, festgelegt und beeinflusst wie zu Hause.

Mir liegt der methodische Ansatz, den Kindern eine Aufgabe zu geben und sie diese selbstständig lösen zu lassen. Häufig habe ich dabei gemerkt, dass wir Erwachsenen oft zu ungeduldig sind um die Kinder ihre eigenen Lösungsstrategien entwickeln zu lassen. Doch wenn ihnen immer nur alles vorgegeben wird, lernen sie nicht wirklich selbstständig Probleme zu lösen, sondern nur die Verhaltens- und Lösungsmuster der Erwachsenen zu übernehmen. Mir selbst viel es oft nicht leicht die Kinder selbst ihre Aufgaben lösen zu lassen und mich selbst im Hintergrund zu halten, da dies auch häufig bedeutet sie große Umwege gehen und Misserfolge erleben zu lassen. Doch erst dadurch, dass ihnen von Seiten der Erwachsenen und Außenstehender nur möglichst wenige Hilfestellungen gegeben werden, lernen sie wirklich effektiv ihre Probleme selbst zu lösen. Dabei wird ihr gemeinsames selbst erarbeitetes Erfolgserlebnis als etwas sehr Positives mit der Gruppenlösung verbunden. Oft habe ich erlebt, dass Lehrer sich nur sehr schlecht zurückhalten konnten, weil sie den Schülern helfen und ihnen einfache Erfolgserlebnisse verschaffen wollten. Dabei wurden aber nicht selten schlechte Tipps abgegeben und die Gruppe in ihrer natürlichen Rollenfindung gestört.

Nach meinem Praktikum bin ich von der erlebnispädagogischen Arbeit von OUTSIDE e.V. überzeugt. Ich habe einen Ansatz kennen gelernt, der den Kindern nicht einfach Wissen vermittelt, sondern ihre sozialen Kompetenzen wirklich stärkt und ihnen vermittelt, dass es etwas Positives ist sich gegenseitig zu helfen und dabei Rücksicht auf die Natur zu nehmen.

Natürlich ist es manchmal Unbefriedigend, dass wir nur sehr kurze Zeitspannen mit den Kindern arbeiten und der Lernerfolg somit von uns nicht vertieft werden kann. Dies bleibt die Aufgabe der Gruppenbetreuer, die dazu leider oft nur wenige Kapazitäten frei haben.

Problematisch war für mich hauptsächlich nur die sehr unregelmäßige Arbeitszeit als Erlebnispädagoge. Der Wechsel zwischen mehrtägiger intensiver Arbeit und dann wieder größeren Freiräumen hat mir Schwierigkeiten bereitet mein Privatleben in gewohnter Art zu führen und es zu planen. Ich fand den Wechsel zwischen anstrengenden einwöchigen Freizeiten inklusiver deren Vorbereitung und den danach gelegenen Erholungstagen sehr gewöhnungsbedürftig. Es gestaltete sich  schwierig, soziale Kontakte zu pflegen, regelmäßige ausgleichende Freizeitaktivitäten zu betreiben und Verantwortung im Privatleben (z.B. Ehrenamt oder Familie) bei solch unregelmäßigen Arbeitszeiten zu übernehmen.

Folglich kann ich mir die Arbeit als Erlebnispädagoge in solch einer äußeren Form auf Dauer nicht vorstellen. Ich bevorzuge übersichtlichere und einigermaßen gleich bleibende Arbeitszeiten, damit mein Privatleben besser abzugrenzen ist und nicht immer voll durchgeplant werden muss.

Jedoch will ich erlebnispädagogische Ansätze gerne in meine spätere Arbeit integrieren, da sie Möglichkeiten bietet, die es sich zu nutzen lohnt. Vor allem auch bei der Durchführung von Freizeiten erweitert das erlebnispädagogische Verständnis  und Repertoire die Möglichkeiten der Programmgestaltung und Arbeitsansätze in allen Bereichen stark.

Nicht zuletzt macht mir die Erlebnispädagogik meistens Spaß, da man Erfolge direkt sehen und erleben kann und es ein Ansatz ist der mir liegt. Auf jeden Fall werde ich bei OUTSIDE e.V. zukünftig als Trainer weiterarbeiten und werde schon im September meine nächste Freizeit durchführen.