Janine ist beim Voting auf Platz sechs gelandet. Nun wird sie zum Casting eingeladen.
Jetzt im Rückblick noch ihr Resümee.
Janine Wetter
Männer gesucht für gewagte Reise. Wenig Lohn. Bittere Kälte. Lange Monate in kompletter Dunkelheit. Konstante Gefahr. Sichere Rückkehr ungewiss. Ehre und Anerkennung im Erfolgsfall.

Stellenausschreibung von Sir Ernest Shakleton, 1914

Genau wie das Abenteuer von Shakleton gehört nun auch das Swiss Arctic Project 2018 der Vergangenheit an. Mit diesem Zitat habe ich vor knapp neun Monaten mein Bewerbungsschreiben für dieses Projekt begonnen, doch ich hätte nie damit gerechnet, dass es mein Leben so stark prägen wird.

Das Swiss Arctic Project 2018 hat mich zu einem der wildesten und lebensfeindlichsten Orte der Welt gebracht, der faszinierend und herzzerreissend zugleich ist. Ich wurde Zeugin von einem Ort, der schöner kaum sein könnte und doch schon in wenigen Jahren ein ganz anderer sein wird. Die vielen kristallklaren Farben der Gletscher, das Eis, das mit einem lauten Donnern ins Wasser fiel und durch die ganze Bucht hallte und die Kälte dieser Region – mit all dem hat mich die Arktis in ihren Bann gezogen. Es fühlte sich an, als wäre ich am Ziel meiner Träume angekommen und ich will von hier nie mehr weg.

Besonders nachdenklich hat mich der Halt vor dem Nordenskiöldbreen Gletscher gemacht, der sich in den vergangenen Jahren so stark zurückgezogen hat, dass wir gemäss der Navigationskarte mit dem Schiff mitten auf dem Gletscher gestanden sind. Ein Vergleich mit einem Gemälde des Gletschers, das vor etwa 40 Jahren an eine Wand in der verlassenen Russischen Siedlung Pyramiden gezeichnet wurde, führte mir den Rückgang und die Geschichte des Gletschers noch deutlicher vor Augen. Doch auch die Tiere wie beispielsweise Walrosse, Rentiere, Robben und Eisbären werden mit den Veränderungen zu kämpfen haben. Ich hätte nicht erwartet, dass die Auswirkungen hier so vielseitig sind.

Aber es gibt auch unsichtbare Gefahren, wie beispielsweise der auftauende Permafrost (gefrorener Boden), der eine große Gefahr für die Einwohner und die Infrastruktur darstellt. Während der Permafrost für uns nicht sichtbar ist, haben wir dafür an einem verlassenen Strand unvorstellbare Mengen an Müll entdeckt. Wenn unser Müll an solch verlassenen Plätzen zu finden ist, warum sollten wir dann nicht auch in der Lage sein, den Permafrost und unser Klima zu beeinflussen? – Es ist eben schwer, Dinge, die wir mit unseren eigenen Augen nicht sehen können, zu verstehen und zu verändern.

Ich durfte in die beeindruckende Welt der Arktis eintauchen und weiss jetzt, was ich schützen muss. Und genau das möchte ich auch meinen Mitmenschen zeigen. Ich wünsche mir, dass für das nächste Jahr Sponsoren gefunden werden, damit dieses Projekt weitergeführt werden kann, denn es ist die Aufgabe unserer Generation, uns diesen Herausforderungen zu stellen. Let’s keep our planet cool – together!